Wer einen dunklen Fleck an der Wand entdeckt, sucht meist schnell nach einer Erklärung: Welcher Schimmel ist das, und wie gefährlich? Die Farbe gibt einen ersten Hinweis, mehr aber zunächst nicht. Schwarz heißt nicht automatisch der gefürchtete Stachybotrys, und ein harmlos wirkender weißer Belag kann ebenso aus einer kritischen Art bestehen.
Dieser Überblick zeigt Ihnen die gängigen Schimmelarten und ihre typischen Farben, erklärt, warum die Optik in die Irre führen kann, und sagt Ihnen, ab wann eine genaue Bestimmung durch Probenahme und Labor sinnvoll ist. Es geht nicht darum, Sie zu beunruhigen, sondern Ihnen eine sachliche Einordnung an die Hand zu geben.
Die häufigsten Schimmelarten im Überblick
In Wohnräumen treten immer wieder dieselben Schimmelpilz-Gattungen auf. Sie unterscheiden sich in Aussehen, bevorzugtem Untergrund und Feuchtebedarf. Die folgenden Arten begegnen einem in der Praxis am häufigsten - die Liste ist ein Orientierungsrahmen, keine Diagnose.
Ein Punkt vorweg: Schimmel besteht aus mikroskopisch kleinen Pilzfäden und Sporen. Was Sie als Fleck sehen, ist eine Kolonie aus vielen tausend Einzelorganismen. Welche Gattung sich dahinter verbirgt, lässt sich mit bloßem Auge nicht ablesen.
- Aspergillus: weit verbreitete Gattung mit vielen Unterarten, kann grünlich, gelblich, schwarz oder bräunlich erscheinen. Aspergillus niger zeigt sich oft schwarz.
- Penicillium: häufig grün bis blaugrün, am Rand gelegentlich weißlich. Tritt oft auf feuchten Wänden, Lebensmitteln und Tapeten auf.
- Cladosporium: einer der häufigsten Innenraum- und Außenpilze, meist oliv-grün bis dunkelbraun oder schwärzlich.
- Stachybotrys (oft Stachybotrys chartarum): dunkel, schwarz-grünlich, schleimig-feucht. Wächst bevorzugt auf stark durchfeuchtetem, zellulosehaltigem Material wie Gipskarton oder Tapete.
- Alternaria: dunkelgrün bis braun-schwarz, oft an Fensterdichtungen und anderen feuchten Stellen.
Was die Farbe verrät - und was nicht
Die Farbe eines Schimmelflecks entsteht durch die Sporen und Farbpigmente der jeweiligen Kolonie. Sie kann je nach Untergrund, Alter der Kolonie, Feuchtigkeit und Lichtverhältnissen variieren. Genau das macht die Farbe als alleiniges Bestimmungsmerkmal unzuverlässig.
Ein und dieselbe Schimmelart kann unterschiedlich aussehen, und unterschiedliche Arten können gleich aussehen. Schwarzer Schimmel ist dafür das beste Beispiel: Die Farbe Schwarz kann von Aspergillus niger, von Cladosporium oder von Stachybotrys stammen - drei Gattungen mit unterschiedlichem Verhalten. Allein über die Optik lässt sich das nicht klären.
- Schwarz: häufig Aspergillus (etwa Aspergillus niger), Cladosporium oder Stachybotrys - die Spanne ist groß.
- Grün: oft Aspergillus oder Penicillium, auch Cladosporium kommt grünlich vor.
- Gelb: kann auf bestimmte Aspergillus-Arten hinweisen, ist aber kein eindeutiges Merkmal.
- Weiß: oft junge Kolonien, die noch keine Farbpigmente gebildet haben, oder Arten ohne kräftige Färbung - auch hinter Weiß können kritische Arten stecken.
- Rot oder rosa: tritt seltener auf, manchmal an feuchten Fugen, und ist optisch leicht mit anderen Belägen zu verwechseln.
Warum erst eine Laboranalyse Sicherheit bringt
Eine sichere Bestimmung der Schimmelart gelingt nicht über das Auge, sondern über Mikroskopie und Kultivierung im Labor. Dabei werden Sporen und Pilzstrukturen vergrößert betrachtet, teils auf Nährböden angezüchtet und anhand ihrer Merkmale einer Gattung oder Art zugeordnet.
Für die Probenahme gibt es verschiedene Verfahren: Abklatsch- oder Klebefilmproben direkt vom befallenen Material, Materialproben sowie Raumluftmessungen mit Sporensammlern, die die Sporenbelastung in der Luft erfassen. Welches Verfahren passt, hängt von der Fragestellung ab - sichtbarer Befall, versteckter Befall hinter Möbeln oder eine diffuse Geruchsbelastung verlangen jeweils einen anderen Ansatz.
Erst die Laborauswertung erlaubt eine belastbare Aussage darüber, welche Art vorliegt und in welcher Konzentration. Das zählt besonders dann, wenn der Befall versteckt ist, wenn gesundheitliche Beschwerden im Raum stehen oder wenn ein Befund für Dritte - etwa eine Versicherung oder im Mietverhältnis - nachvollziehbar belegt werden soll.
- Mikroskopie und Kultivierung statt Blickdiagnose.
- Abklatschprobe, Materialprobe oder Raumluftmessung je nach Situation.
- Quantitative Aussage zur Sporenbelastung möglich.
- Nachvollziehbare Dokumentation für Versicherung oder Vermieter.
Gesundheit und Recht - bitte mit Augenmaß
Beim Thema Gesundheit ist Zurückhaltung angebracht. Schimmel in Innenräumen kann nach Einschätzung von Umweltbundesamt und Robert Koch-Institut Beschwerden begünstigen, etwa Reizungen der Atemwege oder allergische Reaktionen, und sollte aus Vorsorgegründen nicht dauerhaft hingenommen werden. Wie stark jemand reagiert, ist von Person zu Person sehr verschieden. Die pauschale Behauptung, eine bestimmte Farbe sei besonders giftig, greift zu kurz - es kommt auf Art, Ausmaß und die Empfindlichkeit der betroffenen Person an. Bei gesundheitlichen Symptomen ist der Hausarzt die richtige Anlaufstelle.
Auch beim Mietrecht gilt: Dies ist keine Rechtsberatung. Sichtbarer Schimmel kann je nach Ursache und Umfang mietrechtlich relevant sein, etwa wenn ein Baumangel dahintersteckt. Ob und in welcher Höhe Ansprüche bestehen, hängt vom Einzelfall ab. Wer hier Klarheit braucht, wendet sich an einen Anwalt für Mietrecht. Ein nach DIN-Normen erstelltes, gerichtsverwertbares Gutachten kann dabei als sachliche Grundlage dienen, ersetzt die rechtliche Bewertung aber nicht.
Erst die Ursache, dann die Art
So verständlich die Frage nach der Schimmelart ist - für die Beseitigung des Problems zählt die Ursache oft mehr als der Name des Pilzes. Schimmel wächst dort, wo dauerhaft Feuchtigkeit vorhanden ist: durch zu seltenes Lüften, Wärmebrücken in der Bausubstanz, aufsteigende Feuchte oder einen Wasserschaden. Wird nur der sichtbare Belag entfernt, ohne die Feuchtequelle zu beseitigen, kommt der Befall meist zurück.
Sinnvoll ist deshalb diese Reihenfolge: die Feuchteursache finden und abstellen, das Ausmaß des Befalls bestimmen, bei Bedarf die Art über eine Probe klären und erst dann über die Sanierung entscheiden. Die Bewertung richtet sich dabei nach den Kategorien des Umweltbundesamtes und den anerkannten Regeln der Technik.
- Feuchtequelle finden (Lüftung, Wärmebrücke, Wasserschaden).
- Ausmaß und Ort des Befalls erfassen, auch versteckte Stellen.
- Bei Bedarf Art und Sporenbelastung per Labor bestimmen.
- Sanierungsentscheidung auf Basis der Befunde, nicht auf Basis der Farbe.
Wann lohnt sich ein Sachverständiger?
Wann lohnt ein Sachverständiger? Solange es um einen kleinen, klar abgegrenzten Fleck mit erkennbarer Ursache geht, lässt sich oft selbst gegensteuern. Sobald der Befall größer ist, wiederkehrt, versteckt sein könnte, mit Geruch oder gesundheitlichen Beschwerden einhergeht oder für eine Versicherung beziehungsweise das Mietverhältnis belegt werden soll, hilft eine fachliche Begutachtung weiter. Markus Knaub ist DEKRA-zertifizierter Sachverständiger für Schimmelpilzbewertung aus Steinhagen bei Bielefeld. Er erstellt Gutachten nach den anerkannten DIN-Normen und bewertet den Befund nach den Kategorien des Umweltbundesamtes. Eine Raumluftmessung mit Sporensammler und anschließender Laboranalyse macht die Belastung messbar. Wichtig ist dabei der Grundsatz, erst die Feuchteursache zu klären und dann gezielt zu handeln - das verhindert teure Fehlmaßnahmen und wiederkehrenden Befall. Das Ergebnis ist eine fundierte fachliche Bewertung mit klarer Handlungsempfehlung, mit der Sie in Ruhe entscheiden können. SchimmelCheck OWL ist der Begutachtungs-Bereich der Eckstein GmbH; auf Wunsch kann die fachgerechte Sanierung über die Eckstein GmbH erfolgen. Im Umkreis von rund 100 Kilometern in Ostwestfalen-Lippe kommt er für die Begutachtung zu Ihnen.
Raumluftmessung